Milch im Boudoir ~ Tag 1
Alles ist grundlos, dieser Park, diese Stadt, und ich selbst. Wenn es geschieht, dass man sich dessen bewusst wird, dreht es einem den Magen um.
- Jean-Paul Sartre
Die Erkenntnis ist vielleicht die wichtigste die man im Leben haben kann. Allein die Schlußfolgerung sollte das schiere Gegenteil von Sartres Ekel sein. Das Leben, das Sein ist zufällig und ohne Ziel. Das wirkt nur im ersten Moment beängstigend. Bei genauerer Betrachtung und unter Einbeziehung eines gesunden Maßes an Hedonismus ist eben diese Tatsache doch das größte Glück, dass einem Geschöpf zu Teil werden kann! Unter welchen Umständen wäre mehr Freiheit denkbar? Wie leicht lebt es sich erst, wenn man verstanden hat, dass man nicht der Welt, nicht sich selbst noch irgendeinem höheren Wesen gegenüber eine Schuld zu begleichen hat? Unsere Existenz dient nur einem Zweck – dem, den wir ihr geben! Es gibt nichts zu gewinnen, nichts zu verlieren – es gibt keine Rechenschaft abzulegen, es gibt nur das Leben! Das Leben… und das, was du daraus machen willst.




about 5 years ago
Mit der Freiheit hast Du vielleicht recht, aber was bringt sie Dir? Du kannst Dir zum Ziel setzen ein glückliches Leben zu führen, oder Anwalt zu werden und viel Geld zu verdienen, oder die Liebe Deines Lebens zu finden. Dein Ende ist Dir aber vorbestimmt, und dann wird nichts von diesem Glück/Geld/Liebe mehr übrig sein. All diese Ziele sind relativ. Wenn Du tot bist, werden sich Deine Freunde und deine Familie natürlich an Dich erinnern – aber wenn auch diese gestorben sind wirst Du vergessen sein. Es wird sein als ob du nie existiert hättest. Klar, damit geht große Freiheit einher, aber letztendlich hat sie Dir nicht viel gebracht. Meiner Meinung nach hat das Leben einen genau bestimmten – absoluten – Zweck: Unsterblichkeit. Nicht im Sinne von ewigem Leben, sondern indem man sich in das kollektive Gedächtnis der Menschheit auf ewig einbrennt – etwas verändert (auf positive oder negative Weise). Nur wenige Menschen haben dies geschafft. Caesar/Napoleon/Hitler/Stalin/Jesus/Mohammed. Freiheit bringt Dir nichts wenn Du sie für belanglose hedonistische Ziele einsetzt. Rechenschaft hast Du gegenüber Dir selbst abzulegen: hast Du Dein Leben genutzt um etwas zu verändern oder war es sinnlos?
about 5 years ago
Ja, wenn ich tot bin ist alles vorbei und vergessen. genau das ist doch das tolle! Daraus resultiert doch, dass es eigentlich völlig egal ist was ich mit meinem Leben mache weil es ja mit dem Tod ohnehin endet – egal was ich vorher erreicht oder nicht erreicht habe. Wenn ich tot bin kann es mir doch ganz egal sein, ob ich vergessen werde oder nicht, ich hab doch eh nichts mehr davon
Warum soll ich etwas verändern wollen? Kurzfristig um mein eigenes Leben besser zu machen – klar. Aber über mein leben hinaus? Das wäre doch Verschwendung. Das findest du jetzt wahrscheinlich schrecklich egozentrisch und unsympathisch
Aber die gewissenheit haben zu wollen, auch nach dem Tod weiterzuleben ist auch nicht gerade selbstlos oder
Aber sind wir doch mal ehrlich: Es gibt keine, keine einizige Handlung die nicht egoistisch motiviert ist (was ein schönes Thema für's nächste Mal ist). So funktioniert Evolution nunmal, per Egozentrik. Versteh mich nicht falsch, das heißt nicht, dass ich der Ansicht bin, dass sich jeder nur um sich selbst kümmern soll und die anderen Menschen ihrem Elend überlassen; es ist ja auch egoistisch betrachtet im Interesse einies jeden Menschen, dass es seiner Umwelt, seinen Mitmenschen gutgeht weil sich mit dem Maße der allgemeinen Zufriedenheit auch das Maß der eigen Freiheit steigern lässt.
Allein das Sterben ist also des Lebens Sinn. Das ist aber eine Frage die natürlich jeder für sich selbst erörtern kann, darf und soll.
about 5 years ago
Oh, ich danke für diese Töne und heule ins gleiche Horn wie Du, Josh! Der Kern ist, daß alle Erinnerung und alle Zukunft nur genau jetzt "abgespielt" werden können. Ausser der Geburt dieses Momentes und seinem gleichzeitigen Tod gibt es nichts. Die Wahrnehmung des jetzigen Momentes ist "das Leben". Seine Deutung mit Bezügen von "Grund und Folge" oder "Besser" und "Schlechter" ist nicht von Bedeutung. Das einzig Sichere, schon bei der Geburt, ist Dein eigener Tod. Das Vergehen einer Form, die Du angenommen hast. Wer bist Du nur?
Sartres Entscheidung liegt darin, sich darin schlecht zu fühlen.
Meine ist, "aha" zu sagen und es wahrzunehmen, was immer es auch sein mag… (und das ist "Glück")
Wer mehr von diesen Gedanken haben mag und des Englischen mächtig ist, mag sich auf http://www.oprah.com zum online-Workhop mit Eckhart Tolle anmelden. Umsonst und toll! Fängt Montag nacht um drei Uhr an.
To all you English-Speakers: go to http://www.oprah.com and participate in the online-workshop with Eckhart Tolle, starting on Monday.
about 5 years ago
Hey josh, also eines möchte ich klarstellen: ich halte Dich nicht für unsympathisch. Ganz im Gegenteil. Dein blog zeigt dass Du intelligent und kreativ bist. Diese Eigenschaften halte ich sogar für sehr sympathisch – ich wünschte selbst etwas kreativer zu sein [eine Eigenschaft die Juristen meist fehlt
]. Und ich halte Dich nicht für egozentrisch, denn gerade die Tatsache dass Du diesen Blog betreibst zeigt dass Du Deine Gedanken mit anderen teilen und sie dadurch bereichern möchtest.
Aber genau die "wenn ich tot bin ist alles vorbei und vergessen" Einstellung finde ich sehr schade. Im Rahmen meines Studiums habe ich des öfteren mit Freitod-Opfern zu tun. Und jedesmal denke ich mir dass es genau diese Einstellung war, die sie zum Selbstmord getrieben hat bzw dass andere Menschen hätten helfen können, wenn sie nicht selbst diese Einstellung hätten.
Und dass all unsere Handlungen egoistisch motiviert sind mag zwar im Allgemeinen stimmen, aber es gibt Ausnahmen. Ein Beispiel kann ich dir aus meiner eigenen Familie liefern: mein Großvater hat sich im WK II standrechtlich exekutieren lassen um damit meiner Großmutter und Mutter das Leben zu retten. Ich kann mir keine Handlung vorstellen die weiter von Egoismus entfernt ist als sich selbst für jene die man liebt zu opfern. Für den Moment zu leben ist natürlich für das Individuum das einfachste, aber ich denke man sollte auch für die Zukunft (wenn schon nicht für die eigene dann für jene der anderen) leben. Es muss doch auch möglich sein beide Lebensweisen miteinander zu kombinieren.
Aber wie du schon gesagt hast, festzustellen welche Lebensweise uns am besten entspricht obliegt uns selbst.
lg Lucas